"Wenn ich einmal traurig bin, trink ich einen Korn"
Volles Haus ist mit dem Namen "Heinz Erhardt" garantiert, bis heute. In der Glockengießerei Saarburg näherte sich Rolf Bidinger der Kunst des vielleicht größten deutschen Komikers an. Begleitet von Pianist Simon Hoeneß feierte das Komikergenie mit dem gebürtigen Saarburger Wiederauferstehung.

Saarburg. (doth) "Heinz bleibt Heinz" heißt das Programm des Schauspielers, Regisseurs und Kabarettisten aus Saarburg-Beu-rig, Rolf Bidinger, das er gemeinsam mit dem Mainzer Pianisten Simon Hoeneß seit dem Jahr 2000 spielt. Generationen lachten und lachen bis heute über Heinz Erhardt, der am 20. Februar 100 Jahre alt geworden wäre. Begleitet von Pianist Simon Hoeneß nimmt Rolf Bidinger das große Heinz-Erhardt-Buch zur Hand. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Schon als Kind hat es Erhardt dem jungen Bidinger angetan. Mit berühmten Sketchen erheitert er bis heute die Kolpingsfamilie Beurig, die in seinem Gastspiel in der Saarburger Glockengießerei zahlreich vertreten war.

Was fasziniert den 43-Jährigen am Komiker-Genie Heinz Erhardt? "Er ist einfach großartig mit seinem trockenen Humor und für mich einfach der Urvater der deutschen Komik", sagt Bidinger ehrfurchtsvoll über den brühmten Humoristen.

Bewusst verzichtet der Künstler auf die enorme Gesichtsakrobatik und die scheinbar unbeholfenen Bewegungen seines Vorbildes und setzt lieber sein Handwerk als Schauspieler ein, um sich der berühmten Figur zu nähern: "Ich parodiere nicht, sondern suche einen eigenen Zugang zu den Liedern und Texten."

Der bunte Mix aus berühmten Gedichten wie "Hinter eines Baumes Rinde saß die Made mit dem Kinde ...", Liedern wie "Wenn ich einmal traurig bin, trink ich einen Korn ..." und Anekdoten, was es gerade mit diesem Korn, oder besser "DODO" (Doppelter Doornkaat), auf sich hat, entstand ein Abend, dessen Geist dem Urahn des deutschen Humors sicherlich gefallen hätte.

Peter Hemmer aus Saarburg meinte dazu: "Ich bin ein Fan von Heinz Erhardt. Die Gestik und Mimik vermisse ich schon ein wenig, aber die Atmosphäre ist dennoch großartig." Andrea Richartz aus Trier fand: "Das bringt er gut und mit eigenen Stil. Darauf muss man sich halt einlassen." Als Zugabe durften die Zuschauer eine x-beliebige Seite aus dem großen Heinz-Erhardt-Buch benennen, und die wurde dann vorgelesen. "Nehmen sie das jetzt nicht persönlich", entschuldigte sich Bidinger, denn der Zufall führte eine Zuschauerin zum Gedicht "Die Kuh".

Ganz zum Schluss des launigen Heinz-Erhardt-Abends zeigte der Künstler, dass er durchaus auch zu eigenen Werken in der Lage ist. Wohin es führen kann, wenn eine große deutsche Brauerei damit wirbt, dass mit dem Genuss ihrer braufrischen Produkte Regenwald gerettet werden soll: Saufen für den Naturschutz.

Trierischer Volksfreund 14.Oktober 2009

Artikel online beim Trierischen Volksfreund